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Geburt in der Krise

Die Weimarer Republik wurde am 9. November 1918 ausgerufen – am selben Tag wie die Abdankung des Kaisers. Sie wurde sofort in den Augen vieler Deutschen mit der Niederlage und dem verhassten Versailler Vertrag assoziiert, der von ihrer neuen Regierung unterzeichnet wurde. Rechtsnationale nannten ihre Anführer die „Novemberverbrecher", die die Armee verraten hätten.

Politische Gewalt und Instabilität

Die frühen Jahre der Republik waren geprägt von revolutionären Aufständen und rechten Putschen. Der Spartakistenaufstand (1919) von Rosa Luxemburg wurde von Freikorps niedergeschlagen; Luxemburg wurde ermordet. Der Kapp-Putsch (1920) besetzte kurzzeitig Berlin. Hitlers Bierhallenputsch in München (1923) scheiterte. Zwischen 1919 und 1922 wurden 376 politische Morde begangen – 354 davon durch die Rechte.

Hyperinflation (1921–1923)

Deutschland druckte Geld zur Bezahlung der Kriegsreparationen, und das Ergebnis war eine katastrophale Hyperinflation. Auf ihrem Höhepunkt im November 1923 betrug der Wechselkurs 4,2 Billionen Mark pro US-Dollar. Schubkarren voller Banknoten kauften ein Brot. Ersparnisse der Mittelschicht verdampften über Nacht. Das Trauma hinterließ eine tiefe Narbe in der deutschen Gesellschaft.

Die Goldenen Zwanziger

Nach der Währungsstabilisierung 1924 erlebte Deutschland kurz relative Stabilität und bemerkenswerte kulturelle Kreativität. Berlin wurde eine der lebendigsten Hauptstädte Europas: Das Bauhaus-Movement, Bertolt Brecht, Marlene Dietrich und der expressionistische Film (Metropolis, Nosferatu) definierten eine Ära. Diese kulturelle Blüte existierte neben tiefen politischen Spaltungen und wurde größtenteils durch kurzfristige amerikanische Kredite finanziert.

Die Weltwirtschaftskrise (1929–1933)

Der Wall-Street-Crash 1929 veranlasste amerikanische Banken, Kredite an Deutschland zurückzufordern. Die deutsche Wirtschaft kollabierte: Bis 1932 waren 6 Millionen Deutsche (30% der Erwerbstätigen) arbeitslos. Die demokratischen Parteien schienen hilflos. Kommunisten und Nazis – beide antidemokratisch – gewannen massiv. Artikel 48 der Weimarer Verfassung ermöglichte das Regieren per Dekret, was die Republik zunehmend autoritärer machte, noch bevor Hitler an die Macht kam.

Das Ende der Demokratie

Bei den Wahlen im Juli 1932 wurden die Nazis mit 37,4% der Stimmen zur größten Partei – ihr Höchststand bei einer freien Wahl. Hitler forderte das Kanzleramt. Konservative Politiker überzeugten Hindenburg, Hitler in die Regierung zu bringen, überzeugt, ihn „kontrollieren" zu können. Am 30. Januar 1933 wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt. Innerhalb weniger Monate hörte das demokratische Deutschland auf zu existieren.